Setting

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Installation / 2 Kanal Videoprojektion / Lautsprecher / HDV / 33’ / 2011

Grafenwöhr ist der grösste Truppenübungsplatz der US-amerikanischen Armee ausserhalb der Vereinigten Staaten. Das 276 km2 weite Trainingslager wurde 1910 unter dem Königreich Bayern errichtet und gehört seit 1945 den Amerikanern. Es liegt in einem Naturschutzgebiet und ist der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Die hier stationierten Soldaten und Soldatinnen kommen nach einer Übungszeit von durchschnittlich drei Wochen im Irak oder in Afghanistan zum Einsatz. StudentInnen, Arbeitslose und andere deutsche Staatsangehörige werden als StatistInnen auf diesem Truppenübungsplatz angestellt. Während drei Wochen sollen sie, zum Training der SoldatInnen, arabische Zivilisten darstellen.
Die Erlebniserzählungen von zwei ehemaligen StatistInnen bilden den Kern von „Setting“. Die Gesprächsaufzeichnungen, die ich mit den StatistInnnen machen konnte, werden von einer Schauspielerin wiedergegeben. Somit wird eine weitere Verschiebung erzeugt, in welcher Realitäten, Inszenierung und Tatsachen versetzt in unterschiedlichen Feldern auftauchen, um damit die eigentliche Ausgangslage des „inszenierten Krieges in Bayern“ zu thematisieren.
Diese Verschiebungen werden ebenfalls auf der Bild-Audio-Ebene angewendet. In Anlehnung an den Film/Kriegsfilm und dessen Geräuschevokabular habe ich mit dem Sound Designer Daniel Hug die Erzählungen der StatistInnen vertont und die Hörlandschaft mit filmischen Referenzen bespielt. Diesen Tonherstellungsprozess im Hörspielstudio habe ich mit fixer Videokamera gefilmt, um den Ton auch in visueller Form in den Vordergrund zu stellen und somit Fragen zu Inszenierung und Realitäten zu ermöglichen.
Diese Videoaufnahmen sind als rhythmische Bildkomposition montiert und werden als Doppelprojektion zusammen mit den Tonspuren im Raum installiert. Jedoch sind zu einem grossen Teil der Erzählung keine Bilder sichtbar, der Ton nimmt den ganzen Raum ein und die Videobilder erscheinen unerwartet an bestimmten dramaturgischen Momenten der Erzählung.

Von der Installation wurden 2 Versionen realisiert: eine in deutscher Sprache und eine in französischer Sprache.

Unterstützt von der Abteilung Kulturelles Stadt Bern, dem Amt für Kultur Kanton Bern und dem Migros-Kulturprozent. TPC – Technology and Production Center Switzerland AG, Basel und dem Département Cinéma / Cinéma du réel de la Head-Genève.